Die Eröffnung des Wolfshügelturms in der Dresdner Heide

Nicht alle Dresdner waren von dem neuen Erlwein-Bau begeistert. Erst Jahre später wurde der Aussichtsturm zu einem beliebten Wanderziel.

Am 13. April 1912 wurde der neue steinerne "Aussichtsturm am Wolfshügel" eröffnet. An der offiziellen Einweihungsfeier nahmen nur wenige geladene Gäste teil. Neben Stadtbaudirektor Prof. Dr. Hans Erlwein, die Mitglieder des "städtischen Hochbauausschusses" sowie der sozial engagierte Stadtrat Kammsetzer - der auch als Verwalter des städtischen "König-Albert-Parks" fungierte. Nicht eingeladen waren die Reporter der örtlichen Tageszeitungen. Jene hatten im Vorfeld die Überschreitung der Baukosten publiziert, welche Dresdens Stadthaushalt zusätzlich aufzubringen hatte. Kritische Stimmen von Lesern mehrten sich, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, jene finanziellen Mittel zur Erhaltung und Ausbau städtischer Bade- und Schwimmanstalten einzusetzen. Dresdens Stadtbaudirektor Erlwein war verärgert über diese Berichterstattung.

Der "Säulenbau mitten im Wald" war für alle Beteiligten eine schwierige berufliche Herausforderung. Schließlich führte kein fahrbarer Weg zu den Resten des ehemaligen hölzernen Aussichtsgerüstes hinauf. "Man half sich, indem man unter teilweiser Benutzung von Promenaden- und Waldwegen einen Gleisstrang für Pferdelowries nach dem Gipfel führte." Und dann die Einschalung "die ohne Zuhilfenahme von Gips, nur in Holz erfolgte, und zwar in einer Weise, daß selbst die kleinsten Profile im Negativ" hergestellt werden mussten. Die Steinmetzer hatten nur noch die Aufgabe, die "runden Teile der Simse" fachgerecht aus dem geschaffenen Betonkörper herauszuarbeiten.

Stadtbauinspektor Hirschmann vom Hochamt berichtete wenige Tage später über weitere Details des neuen Wolfshügelturms. "Der Turm weicht von den hergebrachten gotischen und romanischen Formen solcher Aussichtsbauten in recht erfreulicher Weise ab" heißt es in den einleitenden Worten. Als Baumaterial des vierundzwanzig Meter hohen Turms wurde der in Mode kommende Stahlbeton gewählt. Sehr starke Mauern prägen den Unterbau.

Vier gewölbte Öffnungen führen zu einem achteckigen Raum, welcher später zur Abstellung der Gerätschaften der Forstbediensteten genutzt wurde. Zu der Aussichtsplattform führen zunächst zwei äußerlich angelegte Treppenanlagen. Der weitere Weg ging über zwei ineinander liegende, freitragende Wendeltreppen, welche von 12 Säulen mit eingefassten Rundfenstern umrahmt waren. Die Besucherplattform war von einem schmiedeeisernen Geländer begrenzt.

"Es is e scheener Turm, bloß die Frage, ob sich Zementbeton in deutschen Wald und Heimatschutz zusammenreimt" wurde von einem Zeitzeugen satirisch nachgefragt.

Es gab aber auch noch einen anderen Grund, warum die breite Dresdner Öffentlichkeit die Einweihung des neuen Wolfshügelturms kaum wahrnahm. Ganz andere Schlagzeilen bestimmten die Ausgaben aller Tageszeitungen. Die erschreckenden Nachrichten vom Untergang der "Titanic" nur 2 Tage später, am 15. April 1912.

Text: Andreas Them, Bilder: Sammlung Holger Rohland, beide Mitglieder des Vereins „Dresdner Geschichtsmarkt“ e. V.